Impuls vom Dienstag, 28.04.2020

Von | 28. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6, 30-35)

In jener Zeit sagte die Menge zu Jesus: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Impuls

Ich halte es in Katechesen und auch im Religionsunterricht immer wieder für wichtig, biblische Texte und christliche Gebete „zu übersetzen“. Die Sprache, die die meisten dieser wesentlichen Texte verwenden, ist doch sehr weit weg von Kindern und Jugendlichen. Und durch das „Übersetzen“ in ihre Sprache, kommt oft eine spannende Auseinandersetzung mit den Texten zustande. Auch die heutige Aussage: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ haben Schülerinnen und Schüler in meinem Religionsunterricht einmal in ihre Sprache übersetzt. Und genau bei dieser „Übersetzung“ ist eine der für mich inspirierendsten Diskussionen über den Glauben entstanden, die ich jemals hatte. Denn eine Gruppe von Schülerinnen war mit dem „Brot“ nicht mehr einverstanden. Nicht nur, dass es kulturell sehr interessant ist, dass „Brot“ im Sprachgebrauch vieler junger Menschen keine sonderlich existenzielle Bedeutung mehr hat, auch ihre Begründung warum „Brot des Lebens“ kein gutes Bild für den Glauben sei, war sehr anregend. Für Sie war Jesus der „Döner des Lebens.“ Ich war zunächst verblüfft und auch ein wenig geschockt. Aber ihre Begründung war einleuchtend: Brot schmecke doch immer gleich und langweilig. Beim Döner sei es aber immer wieder eine Überraschung, ob man gerade auf ein saftiges Stück Fleisch beiße, oder auf ein trockenes Blatt Salat, was ärgerlicherweise nicht von Soße bedeckt wurde. Und natürlich sei beim Döner ja auch noch Brot dabei. Ein Schüler aus der letzten Reihe ergänzte: „Ja das passt mega! Herr Michels! Haben sie mal nachts, besoffen und völlig fertig mit der Welt schonmal in einen Döner gebissen? Es gibt nichts Besseres!“

„Und was hat das für dich mit Jesus zu tun?“ war meine Nachfrage „Ahja, so ist das doch wohl auch alles mit dem Glauben und so! Das passt doch alles perfekt, was wir hier sagen! Es ist nicht immer leicht, manchmal schmeckt es super gut, manchmal ist es eher trocken. Aber wenn man es richtig dringend braucht im Leben, dann gibt es nichts Besseres“ Ich war richtig fasziniert, wie über dieses platte Bild des „Jesus als Döner des Lebens“ eine tiefe Diskussion über den Glauben entstanden ist.

Letztlich wollte Jesus wohl damals nichts anderes sagen als die Schüler mir heute, nur eben in anderer Sprache. Denn auch beim Brot gilt: Der Glaube kann auch mal Schwarzbrot sein aber eben manchmal auch ein süßes Rosinenbrötchen.

Was aber – fern von sprachlichen Unterschieden – bleibt: Jesus stillt den Hunger des Lebens. Mal genussvoll, mal weniger genussvoll, aber immer in einer Tiefe und Sehnsucht, die unser Leben braucht und sich immer wieder einfordert. Die Sehnsucht nach Annahme, Geborgenheit, Sicherheit und Liebe. Und wie erfüllend der Glaube im Leben auch sein kann, dass beschreiben Jugendliche dann eben so: Wie wenn man nachts, besoffen, fertig mit der Welt und nach einer langen Partynacht genussvoll in einen Döner beißt.

Lied zum Impuls: Taizé – Jesus Christ bread of life

Text: Jesus Christ, bread of life, those who come to you will not hunger.

Jesus Christ, Risen Lord, those who trust in you will not thirst.

Übersetzung: Jesus Christus, Brot des Lebens, wer zu dir kommt wird nicht hungern. Jesus Christus, Auferstandener Herr, wer dir vertraut wird nicht dursten.

Noten: https://www.taize.fr/spip.php?page=chant&song=5056&lang=de

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist das Brot des Lebens. Du stillst in uns den Hunger und die Sehnsucht, die kein Mensch jemals stillen könnte. Dir vertrauen wir alles an:

Vater unser im Himmel….

Segen

So segne und behüte uns und die ganze Welt der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.