Exerzitien im Alltag 1. Woche (5)

Von | 11. April 2020

In ihm leben wir

Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könn­ten, denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern sagen: Wir sind von seinem Geschlecht.“‘

(Apg 17,27-28)

Zur Zeit des Paulus wurden nicht nur in Athen viele Gotthei¬ten verehrt. Geschickt greift Paulus dies in seiner Rede auf dem Areopag in Athen auf: Die verschiedenen Gottheiten wei¬sen seiner Meinung nach darauf hin, dass die Menschen von ihrem inneren Wesen her auf der Suche nach Gott sind. Das rührt daher, dass wir Göttliches in uns tragen und uns zu¬gleich – inmitten der Welt – in Gott bewegen. Gott suchen und finden wir also nicht nur außerhalb von uns, sondern auch in uns selbst.

Wie wirkt auf mich der Gedanke, dass wir Menschen von Gottes Art, also „göttlich“ sind?
Ich spüre dieser Aussage nach: Gott ist nicht nur in der Welt zu finden, sondern er ist auch in mir und ich bin in ihm!

Dazu passt das folgende Gebet:

Tag für Tag trägst du die Welt und nährst sie,
und tiefer, als wir wagen, uns vorzustellen,
bist du zugegen, wohin wir gehen.
Wir danken dir für deine Gegenwart,
die so verborgen und verwundbar ist, so treu und tätig.
Wir glauben an ein Leben aus dir,
so wie wir leben vom Brot,
wie wir hungern und dürsten nach Frieden.

Huub Oosterhuis, aus: Du bist der Atem und die Glut (Freiburg 3/1994, S.26, 13)