Die sieben letzten Worte unseres Erlösers

Von | 10. April 2020

Eine musikalische Meditation zum Karfreitag

Septem Christi Verba

Als die „Sieben letzten Worte Jesu Christi“ bezeichnet man die Sammlung der von den vier Evangelisten unterschiedlich wiedergegebenen Worte Christi am Kreuz. Sie sind immer wieder von Komponisten vertont worden. Das bekannteste Beispiel ist sicher Joseph Haydens „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ aus dem Jahr 1787.

Einer der ersten, der diesen Worten eine eigenständige Komposition widmente, war jedoch Heinrich Schütz (1645, SWV 478) mit seinem Werk „Die Sieben Wortte unsers lieben Erlösers und Seeligmachers Jesu Christi“.
Dieses eindringliche Werk eignet sich sehr gut für eine musikalische Meditation. Wir haben hier die Aufnahme des Ensembles Ars Nova Copenhagen unter Leitung von Paul Hillier ausgesucht. Zur meditativen Orientieung haben wir auch den Text in seiner Fassung aus dem 17.Jahrhundert abgedruckt.

Da Jesus an dem Kreuze stund
und ihm sein Leichnam war verwund’t
sogar mit bittern Schmerzen,
die sieben Wort, die Jesus sprach,
betracht in deinem Herzen.

Evangelist: Und es war um die dritte Stunde, da sie Jesum kreuzigten. Er aber sprach :
Jesus: Vater, vergieb ihnen ; denn sie wissen nicht, was sie tun !
Evangelis:
Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter
und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena.
Da nun Jesus seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen,
den er lieb hatte, sprach er zu seine Mutter :
Jesus: Weib, siehe, das ist dein Sohn !
Evangelist: Darnach spricht er zu dem Jünger :
Jesus: Johannes, siehe, das ist deine Mutter !
Evangelist:
Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich.

Evangelist: Aber der Übeltäter einer, die da gehenkt waren, lästert’ ihn und sprach :
Schächer zur Linken: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns !
Evangelist: Da antwortete der ander, strafte ihn und sprach :
Schächer zur Rechten: Und du, fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist ?
Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen,
was unsre Taten wert sind ; dieser aber hat nichts Ungerechtes gehandelt.
Evangelist: Und sprach zu Jesu :
Schächer zur Rechten: Herr gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst !
Evangelist: Und Jesus sprach :
Jesus: Wahrlich ich sage dir : Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Evangelist: Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach:
Jesus: Eli, Eli, lama asabthani ?
Evangelist: Das ist verdolmetschet:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ?

Evangelist: Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach er :
Jesus: Mich dürstet !
Evangelist:
Und einer von den Kriegesknechten lief bald hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und Ysopen
und steckte ihn auf ein Rohr und hielt ihn dar zum Munde und tränkte ihn.
Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er :
Jesus: Es ist vollbracht !

Evangelist: Und abermal rief Jesus laut und sprach :
Jesus: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände !
Evangelist: Und als er das gesagt hatte,
neiget er das Haupt und gab seinen Geist auf.

Wer Gottes Marter in Ehren hat
und oft gedenkt der sieben Wort,
deß will Gott gar eben pflegen,
wohl hie auf Erd mit seiner Gnad,
und dort in dem ewigen Leben.