Abendgebet für Gründonnerstag, den 09.04.2020

Von | 9. April 2020

Altar in St Matthäus

Guten Abend, ihr Lieben,
auch heute am Gründonnerstag, gegen 19.00 Uhr, meine tägliche Mediation und der Segen. Der ausgesuchte Bibeltext bestimmt den heutigen Tag:

Dann lasst uns beten:

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Schrifttext:

Am Abend vor seinem Leiden feiert Jesus das Pascha-Mahl mit seinen Jüngern. Es wird zum letzten Abendmahl. Es wird zu einem Auftrag: Nehmt, esst und trinkt, das ist mein Leib, das ist mein Blut, das bin ich für Euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Nach dem Mahl wäscht er den Jüngern die Füße. Petrus will nicht. Jesus sagt: Wenn ich Dir nicht die Füße wasche, dann hast du keinen Anteil an mir. Petrus darauf: „Dann bitte nicht nur die Füße, sondern ganz!“ Jesus: „Das ist nicht notwendig – ich habe Euch ein Beispiel gegeben.

Gedanken/Meditation zum Gründonnerstag:

Wir kennen sie nur zu gut, die Texte, die am Gründonnerstag gelesen werden. Sie sind in jedem Jahr gleich. Da ist die Einsetzung des Abendmahls. Jesus schenkt sich in Brot und Wein. Er will uns nah sein. Tut dies zu meinem Gedächtnis – er fordert uns dazu auf und wir tun es in jeder Eucharistiefeier – aber jetzt? In Zeiten von Corona ist uns die Möglichkeit genommen, miteinander Messe zu feiern, miteinander Mahl zu halten, wir müssen die Kar- und Ostertage ohne gemeinsamen Gottesdienst verbringen. Wir werden hier zu einer Fastenzeit gezwungen, die wir uns nie vorstellen konnten. Wie geht es uns damit? Vermissen wir diese Gemeinschaft mit Jesus? Dass wir die Gemeinschaft untereinander vermissen, ja, das weiß ich und das habe ich schon oft gehört.

Aber uns stellt sich doch die Frage: „Welche Bedeutung hat es für mich und meinen Glauben, dass ich die Kommunion empfange, dass ich die Verbundenheit mit Jesus, mit Gott so leibhaftig erfahren darf?“ Diese Frage muss sich letztlich jeder selbst beantworten. Ein bisschen kann ich mir vorstellen, dass es so den katholischen Christen in Lateinamerika oder Afrika geht, wo nur alle paar Wochen mal ein Priester zum Messe Feiern vorbeikommen kann. Ich kenne einige, denen die Gemeinschaft mit Christus in der Kommunion sehr wichtig ist und denen der Empfang des Leibes Christi Kraft und Halt gibt. Immer wieder, wenn ich den alten und kranken Menschen unserer Pfarrei die Kommunion bringe, kann ich es spüren. Die Gemeinschaft mit Jesus in der Kommunion – das ist so ähnlich wie eine Umarmung Gottes – aber auch Umarmungen sind im Moment ja nicht angebracht… Und dann die überraschende Handlung Jesu, als er den Jüngern die Füße wäscht – der zunächst entsetzte Petrus, der es dann aber mal wieder übertreiben will – „Ich habe Euch ein Beispiel gegeben“ sagt Jesus, also eine Aufforderung, es ihm gleich zu tun.

Und auch das geschieht heute deutlicher als in anderen Zeiten: Menschen setzen sich füreinander ein und die, die es für die Kranken und Leidenden an Corona tun, bedürfen in besonderer Weise unseres Gebetes – aber auch die Kranken und Leidenden selbst und die Sterbenden und die Trauernden – schließen wir sie alle in unser Gebet ein. Ich wünsche uns, dass wir in diesen Tagen der Abstinenz wieder neu entdecken, welche Bedeutung die Gemeinschaft mit Jesus in der Eucharistie für uns hat. Und so lange uns das nicht möglich ist – versuchen wir Gott im Gebet zu spüren – zu Hause oder auch zu den Öffnungszeiten der Marienkirche im stillen Gebet, um auch auf diese Weise miteinander verbunden zu bleiben. Vielleicht spüren wir ja dabei auch etwas von der Gegenwart Gottes, die uns umfängt und die uns hält. Ich wünsche es uns allen.

So segne uns an diesem Abend und alle Menschen, die uns so wichtig sind, auch die Menschen, die in unseren Herzen weiterleben, der Liebe teilende Gott
Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Ihnen und euch wünsche ich von ganzem Herzen einen guten Gründonnerstagsabend und später eine erholsame Nacht.

Euer / Ihr Diakon Höhn