Abendgebet für den Samstag nach Ostern, den 18.04.2020

Von | 18. April 2020

Guten Abend meine Lieben.

Heute Abend , so habe ich mir gedacht, soll die Musik virtuell im Mittelpunkt stehen.
Einer meiner Favoriten, was Lieder angeht, ist: „Music was my first love„, von John Miles.
Weil ja auch Wochenende ist, habe ich für heute zwei meditative Texte , über Musik, ausgesucht. Entnommen aus einem Gottesdienst, den Frau Wöllstein und ich in der katholischen Kirche in Merxheim, unter der etwas anderen Gottesdienstform „Sing&Pray“, im letzten Jahr, gefeiert haben.


Dann wollen wir beginnen:

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der fehlende Ton

Man stelle sich ein Lied vor, ein Lied das viele, viele Töne hat. Das Lied ist wunderschön, weil jeder dieser Töne da ist und seinen ganz eigenen Beitrag zur Melodie leistet.
Es gibt hohe und schrille Töne und es gibt tiefe, ruhige und gedämpfte Töne. Manche Töne sind ganz kurz, andere dagegen lang und es gibt auch noch welche die sind dazwischen – mittellang.
Aber zurück zu unserem Lied. Plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Jemand lässt einen einzigen Ton herausfallen und augenblicklich klingt die komplette Melodie anders.
Es fehlt ein Ton, dieser bestimmte Ton! Und – die anderen Töne, die auf ein Zusammenspiel mit ihm, dem fehlenden Ton, abgestimmt sind, müssen sich an eine leere Stelle in der Notenzeile gewöhnen. Immer wieder, lange Zeit wird das Lied dann ohne diesen bestimmten Ton gespielt. Es gibt auch keinen Ersatz für diesen Ton, denn man kann einen Ton nicht so einfach ersetzen. An seiner Stelle steht einfach nichts. Den anderen Tönen gefällt das nicht, sie finden es seltsam, dass dieser Platz von nun an ganz leer sein soll und so entscheiden sie sich, dem verlorenen Ton ein Denkmal zu setzen. Sie setzen ein Pausenzeichen an seine Stelle, um zu erinnern, dass an diesem Platz einmal ein besonderer Ton saß.
Nach einer langen Zeit wird auch dieses Lied zu einem gern gehörten Lied. Es ist zwar anders als das Lied vorher, ganz anders, aber als man sich nach einiger Zeit mit der ungewohnten Pause ein wenig vertraut gemacht hat klingt die Melodie des Liedes wieder schön, mit der Pause, wunderschön – aber eben ganz anders!

Manchmal brauchen wir Menschen aber auch die Stille. Gerade auch jetzt, wo wir in Zeiten des Virus oft mit der ganzen Familie, Eltern und Kinder, beengt in der Wohnung „aufeinander hocken“.
Zum Stille werden kann auch Musik sehr hilfreich sein. Z.B. Meditative Musik.
Aber sie muss uns gefallen, diese Musik. Nur so können wir zur Stille kommen.
Wollen wir es mit einem Text einmal versuchen, innerlich zur Stille zu kommen:
Lasst uns still werden
Lasst uns still werden jeden Tag…
Lasst uns still werden,
wenigstens einmal jeden Tag
so still, dass wir unseren Atem wieder hören;
lasst uns ruhig werden,
wenigstens einmal jeden Tag
so ruhig,
dass wir unseren Puls wieder spüren;
lasst uns sanft werden,
so sanft,
dass wir wieder Liebe fühlen –
und aus der Stille, der Ruhe, der Sanftheit heraus
lasst uns stark werden,
jeden Tag so stark,
dass wir Vertrauen schenken können;
lasst uns mutig werden,
alle Augenblicke so mutig,
dass wir uns gewaltfrei behaupten können;
lasst uns zielstrebig werden,
dass uns jeder Schritt unserem Ziel näher bringt –
und aus der Stärke, dem Mut, der Zielstrebigkeit heraus
lasst uns leben,
lasst uns wachsen,
lasst uns wirken,
damit immer mehr Menschen wirken können,
wie wir gelebt haben werden –
weiße, schwarze, gelbe, braune, rote –
alle.


Lasst uns gemeinsam beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.”

So segne uns und alle Menschen, die uns wichtig sind und auch alle Menschen, die in unseren Herzen weiterleben, der treusorgende Gott: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.


Ihnen und euch allen wünsche ich einen schönen Samstag. Später wieder eine erholsame Nacht. Und morgen, wenn Sie wollen, schlaft doch etwas länger….

Zum Schluss noch ein Zitat von Petra Bahr, in „Christ & Welt vom 16. April: „Die Bilder von leeren Kirchen zeigen: Christinnen und Christen werden gerade woanders gebraucht. Sie feiern anders Gottesdienst. Sie helfen,beraten, schweigen, beten. Vielleicht müssen die Kirchen ihre Unsichtbarkeit aushalten,damit der sichtbar wird, den sie bekennen.“

Euer / Ihr Diakon Höhn