Abendgebet für den 2.Montag nach Ostern, den 20.04.2020

Von | 20. April 2020

Guten Abend meine Lieben,
seit heute sind einige Regelungen etwas „entschärft“ worden. Was dem Einen oder der Anderen bestimmt gut getan hat.
Also, so können wir sagen, es ein Tag zum Durchatmen. Darauf habe ich heute meine kleine Betrachtung und das anschließende Gebet abgestimmt:

Dann wollen wir beten:

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Zum Durchatmen O Gott, es gibt vieles, das ich nicht weiß.
Es gibt vieles, das ich nicht durchschaue.
Es gibt vieles, das ich nicht in der Hand habe.

Wenn ich mich ohnmächtig fühle, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht das Ganze bewältigen muss, sondern das tun kann, was mein Part ist. Wenn ich verunsichert bin, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht alleine bin und dass unsere Weisheit gemeinsam reicher ist. Wenn ich Angst habe, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht aus Gottes Nähe herausfalle, sondern dass Gottes Geist mir nahe ist.

Was ich weiß, ist: Mein Leben und meine Liebe und meine Würde reichen so viel weiter als das, was ich leisten oder tun kann. Was ich sehen kann, ist: Nach jedem Winter kommt der Frühling und neues Leben wächst aus dem kalten Erdboden. Was ich kann, ist tief durchatmen und dieser Welt Liebe einflößen, die sie so dringend braucht. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Und nun ein Gebet, wenn Sie mögen, beten wir es gemeinsam:

EIN STURM WEHT DURCH DIE WELT…
… und legt frei GUTER GOTT – so will ich beten, doch bist du gut in diesen Tagen? Ein Sturm weht durch die gesamte Welt. Ein Sturm, der alles durcheinander wirbelt. Es gibt die, die bis zur Erschöpfung arbeiten, diejenigen, die Menschen versorgen mit Medizin, mit sozialer Betreuung in Wohngruppen und Heimen, mit dem Alltäglichen von Lebensmitteln, bis über Post und Müllentsorgung. Keine und keiner davon kann ins Homeoffice gehen, vielleicht bleibt nicht einmal Zeit für einen privaten Blick ins Netz. Es gibt die anderen, die förmlich in Sorgen ersticken, Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer, alle die in Kurzarbeit gehen mussten, alle, die schon jetzt ahnen, dass sie am Ende arbeitslos sein werden. Ein Sturm fegt durch die gesamte Welt, o Gott.

Ein Sturm der alles durcheinander wirbelt. Siehe DU auf all die Familien, die alleinerziehenden Mütter und Väter. Siehe auf alle in beengten Wohnungen, auf alle, deren Geduld mit den Kindern mit dem Partner/der Partnerin viel zu schnell am Ende ist. Siehe auf alle, deren Ausweg nur noch in Gewalt zu liegen scheint. Lass UNS sehen, was dieser Sturm aber auch frei legt, die Hilfsbereitschaft, die Sorge der Lehrer*innen und Erzieher*innen für die ihnen anvertrauten Familien und Kinder.

Lass uns sehen, was dieser Sturm freilegt, an unzähligen Formen, soziale Kontakte jetzt erst recht zu pflegen, über Telefon und Post und über all die neuen Medien, die wir deinen Gaben und dem Forschergeist von Menschen zu verdanken haben. Lass uns sehen, was dieser Sturm freilegt – nicht erst zuletzt – lass uns sehen, das, was aufblüht jeden Tag, weil DU es geschaffen hast über alle Zeiten hinweg, durch alle Zeiten hindurch. Jede Knospe jede zarte Blüte dieses Frühlings will entdeckt werden, will entdeckt werden von uns. will entdeckt werden als Zeichen der Hoffnung – nach jedem Tod dürfen wir auf Auferstehung hoffen.


So segne uns und alle Menschen, die uns so wichtig sind. Und auch die Menschen, die in unseren Herzen weiterleben. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

So wünsche ich Ihnen und euch einen erholsamen Abend und später eine erholsame Nacht.
Meine Mama im Altenheim ist schon in heller Vorfreude. Morgen werden wir sie wieder besuchen und sie sehen können. Durch die geschlossene Glastür. Egal. Hauptsache wir sehen uns.