Abendgebet für den 2.Mittwoch nach Ostern, den 22.04.2020

Von | 22. April 2020

Guten Abend meine Lieben,

Ab Montag besteht, wie wir heute erfuhren, auch in RLP die Pflicht, Gesichtsmasken zu tragen. Beim Einkaufen, oder wenn ich mit einem öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs bin.
Weiterhin gibt es auch weiterhin Überlegungen und Gespräche, zwischen Verantwortlichen der Kirchen und der Politik, wann denn wieder Gottesdienste mit Gläubigen in unseren Kirchen angeboten werden können und dürfen. Vielleicht im Mai, aber unter strengen Auflagen. Wie genau, das werden wir noch erfahren.
Aber ich weiß aus vielen Telefonaten und aus Mails, die mich erreichen, dass uns das gemeinsame Feiern am Tisch des Herrn so fehlt. Und das schon seit Wochen. Jede und jeder von uns träumt von einer Kirche. Von seiner Kirche. Und nicht erst in den Zeiten des Virus.

Ich habe heute Abend einen Impuls eingestellt, der zwar nicht ganz neu ist, aber ich glaube, dieser Impuls ist auch am heutigen Mittwoch aktuell.

Dann wollen wir beten:

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Also,
wie sieht denn nun meine Kirche aus?
Eine Kirche, die nur
aus Steinen besteht,
ist mir zu hart.
Eine Kirche, die nur
auf Dogmen beharrt,
ist mir zu tot.
Eine Kirche,
die Macht ausübt,
ist mir fern.
Meine Kirche lebt.
Meine Kirche liebt.
Meine Kirche ist beseelt vom Geist Gottes.
Meine Kirche
besteht aus Menschen
mit ihren Fehlern
und Schwächen
aus Menschen
mit ihren Schrullen
und Eigenheiten,
aus Menschen
mit ihrem Schmerz und Leid.
Und gerade
aus diesen Unvollkommenen
baut Gott
seine Kirche –
und wirkt in ihr.
Er ist dort,
wo wir all diese
Menschen annehmen,
wo wir einander aufrichten
wo wir verzeihen.
Meine Kirche lebt.
Meine Kirche liebt.
Meine Kirche lässt
sich beseelen
vom Geist Gottes.

Und wir beten und hoffen, dass wir bald wieder gemeinsam in unseren Kirchen singen, beten und den Herrn empfangen dürfen.
So lade ich Sie und euch nun ein, ein irisches Gebet zusammen zu beten, eigentlich ist es ein Gebetswunsch. Den widme ich allen Menschen, die dieses Gebet lesen:

Möge deine Seele auf Wanderschaft gehen,
auch wenn du dich gerade eingeschränkt und eingeengt fühlst.
Mögen deine Augen ins Weite blicken,
auch wenn dir Ängste und Sorgen die Sicht versperren.
Mögen deine Ohren den Klängen der Schöpfung lauschen,
auch wenn Schreckensmeldungen alle Geräusche übertönen.
Möge dein Mund tröstliche Melodien summen,
auch wenn dir eher zum Klagen oder Schweigen zumute ist.
Möge deine Zunge den Genuss des Daseins spüren,
auch wenn dein Alltag fad und bitter schmeckt.
Mögen deine Hände bereitwillig zupacken,
auch wenn du sie lieber in den Schoss legen würdest.
Mögen deine Füße festen Halt bewahren,
auch wenn vieles um dich herum ins Wanken geraten ist.
Möge sich dein Körper umarmt und liebkost fühlen,
auch wenn niemand da ist, der ihn berührt.
Möge deine Gedanken in die Ferne schweifen,
auch wenn du die meiste Zeit zu Hause verbringen musst.
Möge sich deine Sehnsucht nicht verflüchtigen,
auch wenn du derzeit kaum Pläne schmieden kannst.
Mögen deine Gebete zum Himmel steigen,
auch wenn du vielleicht zweifelst, dass sie dort jemand hört.
Möge dich Gott aus dem Dunkel ins Licht führen,
auch und gerade wenn du meinst, es würde nie wieder hell.

So segne uns und alle Menschen, die uns wichtig sind, und auch die lieben Menschen, die in unseren Herzen weiterleben: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Ihnen und euch allen wünsche ich noch einige Sonnenstrahlen, die euer Herz erreichen und später genügend Ruhe, gut und erholsam zu schlafen.
Und bitte, bleiben Sie und bleibt ihr gesund!

Euer Ihr Diakon Höhn