Mit großen Theologen Ostern entgegen – 29.03.

Von | 29. März 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Fünfter Fastensonntag

Kardinal Lehmann

Gott selbst offenbart sich am tiefsten in der Selbsterniedri­gung, in der Schonungslosigkeit und in der grenzenlosen Hin­gabe seines Sohnes am Kreuz.

Gott wird aus freier Liebe das Gegenteil seiner selbst, nämlich indem er die Sünde, die Verlo­renheit und die Gottverlassenheit einholend in sich hinein­nimmt.

Darum kann Gott auch unendlich leiden, und nur aus diesem „geschichtlichen“ Wesen Gottes heraus kann man ei­nen „vollkommenen“ Gott mit Leid und Tod zusammen­denken.

So wird auch verständlich, dass nicht allein das Ausmaß des Leidens zählt, sondern dass und wie die alles – auch den Tod – umgreifende Liebe dem Schmerz allererst Sinn und Richtung gibt. Gott hat nicht Freude am Schmerz und am Leiden als sol­chen.

Das Erste und Letzte ist die sich überschreitende und weggebende Liebe, der Schmerz und die Qualen sind für sich kein Eigenes.

Aber wo die Welt von der Selbstsucht, vom „Raub“ für sich selbst, von der Ungerechtigkeit und vom Tod gekennzeichnet ist, muss die Liebe Gottes die Gestalt des Schmerzensmannes annehmen. Indem der lebendige Gott seinen Sohn nicht schont, sondern in die Hände der Menschen ausliefert, wider­fährt ihm dieses Geschick.

Das Weizenkorn, das nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt keine Frucht.         

(Karl Kardinal Lehmann, 1936 – 2018, Bischof von Mainz)

GEBET

Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein; der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein.

Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

So gab der Herr sein Leben, verschenkte sich wie Brot.

Wer dieses Brot genommen, verkündet seinen Tod.

Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Wer dieses Geheimnis feiert soll selber sein wie Brot; so lässt er sich verzehren von aller Menschennot.

Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt, wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt.

Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

(Lothar Zenetti)