Mit großen Theologen Ostern entgegen – 01.04.

Von | 31. März 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Mittwoch der fünften Fastenwoche

Bernhard Welte

Lesung:             Daniel 3, 14-21.49.91-92.95
Evangelium:     Johannes 8, 31-42

Eines ist auf jeden Fall sicher: dass das Christentum in seinem Wesen aus dem Geiste der Freiheit lebt und leben muss, und dass es nur insoweit wirkliches Christentum ist.

„Zur Freiheit hat Christus uns frei gemacht. Stehet also und lasset euch nicht mehr unter das Joch der Knechtschaft beugen“ (Gal 5, 1).

„Wo der Geist des Herrn waltet, da ist Freiheit“ (2 Kor 3, 17).

Das sind große und unumstößliche Sätze des Neuen Testa­mentes.

Überhaupt sehen wir, dass unsere ersten Brüder im Glauben, die Jesus noch menschlich nahe standen, das, was Je­sus ihnen war, und den Geist, den er in ihnen zurückließ, als eine ungeheure Befreiung empfanden, als ein fast revolutionä­res Durchbrechen durch verhärtete Bindungen, als ein frühlingshaftes Aufblühen neuer und freier Lebenskräfte im In­nern eines jeden Jüngers sowohl wie auch im Herzen der gan­zen Gemeinschaft, welche die Jünger miteinander verband.

Dies muss uns zu denken geben. Darum gibt es immer wieder aufs neue Anlass, dass wir uns auch jenes aufblitzenden Geistes der Freiheit erinnerten und der ihm zugehörigen Erfahrungen.

Das Beste und Wesentliche jenes Geistes ist bestimmt, auch unser Anteil zu sein. Immer ist für uns Anlass, dass auch wir gleich jenen uns frei geben für die Erneuerung des Geistes, welche vom Ruf und vom Leben Jesu ausgeht, und dass wir herausgehen aus den immer wieder sich ansetzenden Veren­gungen und Verhärtungen unseres eigenen Menschentums.

(Bernhard Welte, 1906 – 1983, Priester, Prof. für Religionsphilosophie, Freiburg)

GEBET

Gott,
Du kennst uns besser, als wir uns selbst kennen,
Du weißt, wie sehr wir der Änderung und Umkehr bedürfen.
Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran oder mit List.
Du kommst zu uns mit deinem Wort –
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, dass wir dir heute nicht ausweichen,
dass wir uns öffnen und dein Wort annehmen.