Impuls vom Sonntag, 22.03.2020

Von | 22. März 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Eröffnung:

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: GL 142 – Zu dir o Gott erheben wir

YouTube zum mitsingen: https://www.youtube.com/watch?v=Gv2mLeWlyD0

1. Strophe
Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen.
Dein Volk erfreuet sich in dir, wollst gnädig niederschauen.
Lass leuchten Herr dein Angesicht, erfüll uns mit der Gnade Licht
und schenk uns dein Erbarmen

2. Strophe
Herr, zeige uns die Wege dein und lehr uns Pfade.
Gans nahe lass dein Wort uns sein, voll Wahrheit und voll Gnade.
Nimm du hinweg der Sünde Schuld, mit unsrer Schwachheit hab Geduld
und schenk uns neu dein Erbarmen

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Als sie kamen und er den Elia sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.

Lied: GL 386 – Laudate omes gentes

YouTube zum mitsingen: https://www.youtube.com/watch?v=lbb-kaurSW0

Laudate omnes gentes, laudate Dominum!
Laudate omnes gentes, laudate Domimum!

Übersetzung: Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn!

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Impuls

Was ist noch sicher im Leben? Wenn Sie mich fragen: Aktuell nicht viel. Alles was vor 2-3 Wochen noch selbstverständlich war, ist am heutigen Sonntag wie weggepustet, beruflich wie privat. All die vielen Sachen, die ich mir für dieses Jahr mit meiner Frau vorgenommen habe, all die vielen Veranstaltungen und Freizeiten im Rahmen meiner Arbeit, alles wackelt, wenn es nicht schon abgesagt ist. Nichts ist sicher. Dabei will ich mich nicht zu laut beschweren. Noch bin ich im Gegensatz zu vielen anderen Menschen gesund. Auch wackelt nicht meine Existenz, ich bin nicht selbstständig oder in einem Gewerbe tätig, das gerade massivste Umsatzeinbußen zu verzeichnen hat. Doch trotzdem fühle ich mich gerade nicht wohl. Jeder Mensch spürt wohl aktuell große Unsicherheiten. Mir kommt es vor, als würden wir als ganze Gesellschaft gerade irgendwie auf Sicht fahren: Vorsichtig und zugleich unsicher und unwissend, wo die Reise wohl letztlich hinführen mag. Auch das belastet mich. Ich will Sicherheit! Ich will wissen, wo die Reise hingeht! Sie auch?

In diese Stimmung sprechen die biblischen Texte des heutigen 4.Fastensonntages zu uns. Da ist zunächst die Lesung aus dem Alten Testament, die Salbung des Königs David. Es ist eine verrückte Geschichte. Samuel, ein erfahrener und weiser Mann, der geachtetste Richter am israelitischen Hof soll den neuen König finden und salben. Doch er und im

Grunde alle Beteiligten greifen komplett daneben. Nicht der älteste Sohn, nicht der größte, nicht der schönste, nicht klügste, nein. David soll es werden, der jüngste Sohn, der aus der Sicht des Vaters gerade gut genug für das Hüten der Schafe war und gar nicht in Betracht gezogen wurde. Alle bekannten Muster einer Thronfolge-Regelung greifen nicht. Das Gesetz steht komplett auf dem Kopf. Ähnliches passiert im Evangelium. Hier werden gleich mehrere Gesetze außer Kraft gesetzt. Nicht nur biologische Gesetze (ein Blinder kann wieder sehen), auch eines der heiligsten Gesetze der Israeliten, das Gebot den Sabbat zu heiligen, wird kurzerhand umgangen, um den Blinden wieder sehend zu machen. Ein Skandal für die Pharisäer und Schriftgelehrten. Die, die doch alles zu wissen glauben, die an nichts zweifeln, die das Gesetz in den Händen halten, sie werden vom Handeln Jesu komplett übertölpelt. Beide Texte zeigen: Gott ist nicht immer im Erwartbaren, in den Regeln und Gesetzen, nicht in der Sicherheit und schon gar nicht in unseren Erwartungen zu finden. Das Wirken Gottes, es ist besonders da spürbar, wo ich mich nicht auf Gewohntes verlasse. Gott bekommt dort Raum, wo wache Blicke, Nächstenliebe und Kreativität die Sicht der Menschen bestimmen. Mir sind die Texte dieses vierten Fastensonntags ein Geschenk. Ein Geschenk, das mir auch in unserer Corona-Krise eine wichtige Anregung gibt. Wenn auch gerade nichts sicher ist, alles wacklig ist und niemand genau weiß, wie es weitergeht: Gott ist da! Gott wird wirken! Gerade jetzt!

Zeit der Stille

Stille Fürbitten

Ein jeder von uns ist von anderen Sorgen, Ängsten und Nöten geplagt. Zugleich macht ein jeder aber auch andere positive Erfahrungen. Aufmerksamkeiten, offene Herzen und Solidarität bilden einen großen Gegenpol, gegen die Dunkelheit des Corona-Virus. So wollen wir in einem weiteren Augenblick der Stille zu Gott bitten, mit allem was uns auf dem Herzen liegt. Er wird es sehen! Denn „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt, gedenke deiner Christenheit und führe zusammen was getrennt ist, Amen.

Gebet

Als Schwestern und Brüder beten wir gemeinsam, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:

Gebet

Als Schwestern und Brüder beten wir gemeinsam, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Segne uns Gott mit einer Ahnung deiner ewigen Gegenwart,
mit dem Herzschlag des liebenden Sohnes und mit dem Feuer des Geistes.
Segne uns und lass uns auch in schwierigen Zeiten ein Segen für andere sein.
Dazu segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Lied: GL 848, Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Youtube zum mitsingen: https://www.youtube.com/watch?v=SYoRkpPNpu0

1) Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.
Kehrvers: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn
in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsere Wege gehen, uns durch das Leben tragen.

2) Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet,
Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet.
Kehrvers: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn….
3) Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten, wie Stumme sprachen,
aus toten Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen.
Kehrvers: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn….