Abendgebet für den 26.3.2020

Von | 26. März 2020

Impulse für den Tagesausklang von Diakon Höhn


Heute haben wir eine Meditation für all die Menschen eingestellt, die krank sind, die vom Schicksal heimgesucht werden.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

MITGEFÜHL
Menschen nach ihrer Leistung zu bewerten,
geht an der Wirklichkeit vorbei.
Wenn ein Leben vorüber ist,
dann ist nicht mehr wichtig,
was einer gearbeitet hat,
sondern wer er war.

In der Krankheit zeigt sich,
dass es nicht wichtig ist, was jemand sonst leistet,
sondern wie er schlaflose Nächte durchsteht,
Schmerzen und Ängste bewältigt
und mit Menschen umgeht, die neben ihm liegen
und ihm auf die Nerven fallen (könnten).

Wer leiden kann ohne abzustumpfen,
wer nach innen hört und auf die Signale achtet,
mit denen unserer Seele unserem Körper etwas mitteilt,
der beginnt, auch Leid und Freud anderer zu verstehen
und dessen Sinn zu erahnen
– und das bedeutet:
er ist auf dem Weg, ein Liebender zu werden.

Wer sein Schicksal angenommen hat,
der kann andren vielleicht am besten helfen,
denn nicht der Tatkräftige ist am dichtesten am Leidenden,
sondern der, der wahrnimmt,
was andere nicht hören, sehen oder spüren.

Manchmal sind gerade die Hilflosen die eigentlichen Heiler.
Wer in die Menschen hineinfühlt, ihre Stimmungen aufnimmt
und mit ihnen und Gott eins wird,
kann einen andren Menschen segnen,
damit etwas in ihm wachsen und reifen kann
als Frucht und Ertrag aus der Zeit des Leides.

Zum Schluss wieder ein irisches Gebet. Diese Gebete sind, wie ich finde, sehr wortgewaltig und malen mit Worten Bilder in unsere Sinne:

Möge das Jahr dich mit seinen Geschenken beglücken:
mit den Veilchen des Frühlings,
mit dem Bienensummen das Sommers,
und den rotwangigen Äpfeln des Herbstes.
Der Winter schenke dir die Früchte der Stille für die Seele.
Möge der Mond dir durch sein Licht bekunden,
dass nach mageren wieder volle Tage kommen.

So segne uns und alle Menschen, die uns wichtig sind, und auch die Menschen, die in unseren herzen weiterleben, der tröstende Gott: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.